Dienstag, 07. Februar 2012
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Floyd Council machten Lust auf Pink Floyd | recent gig

Bild: The Floyd Council

Was mehr kann eine Coverband erreichen, als dass der Zuschauer nach dem Konzert mit dem dringenden Bedürfnis, die alten Scheiben wieder rauszukramen, nach Hause geht? Zumal die Band, die da im Burgkirchener Bürgerzentrum auf der Bühne stand, nicht irgendeine Gruppe gecovert hat. The Floyd Council aus dem Raum Salzburg haben sich eine Herausforderung gesucht, an der sie eigentlich scheitern müssten. Tun sie aber nicht. Die neun Musiker bringen Auszüge aus dem Werk einer der komplexesten Bands der Musikgeschichte auf die Bühne: Pink Floyd. Und das gelingt den Österreichern mit technischer Finesse und dem Gefühl für die Songs, die zu Recht zu Klassikern der Rockmusik wurden. Gleich mit den ersten Akkorden wird im Bürgerzentrum klar, wo die Reise hingeht. „Shine On You Crazy Diamond“ spielen The Floyd Council zum Auftakt – den Song, den der im vergangenen September gestorbene Pink-Floyd-Keyboarder Richard Wright einmal als den besten seiner Band bezeichnete. Das wäre für sich genommen schon ein würdiger Start in den Konzertabend. Doch wie The Floyd Council das Werk auf die Bühne bringen, ist aller Ehren wert. Zwangsläufig ist alles in Burgkirchen einige Nummern kleiner als im Londoner Earls Court, wo Pink Floyd 1994 ihr „Pulse“-Material eingespielt haben – die kreisrunde Leinwand, die Bühne, die Lichtshow. Dennoch gelingt es der Coverband, nah ans Original heranzureichen. Vielen Zuhörern – rund 500 waren's in Burgkirchen – bleibt erst mal die Spucke weg – blankes Erstaunen im Saal. Dort sind viele altgediente Floyd-Fans. Nie wieder werden sie die Gelegenheit haben, der 1968er Bandbesetzung zu lauschen. Doch die Österreicher bieten würdigen Ersatz. Das sind keine versponnenen Musikenthusiasten, die längst vergangenen Zeiten huldigen wollen. Die haben's drauf. Dabei haben sich The Floyd Council ein technisches Umfeld geschaffen, das sie dabei unterstützt, dem Original so nah wie möglich zu kommen. Auf der Leinwand werden die Clips der „Pulse“-Tour eingespielt, Original-Soundfiles führen die Zuhörer in die Songs hinein, die Lichtshow folgt einem ausgefeilten Konzept, der Grazer Lichttechniker hat jeden einzelnen Spot penibel programmiert, alles ist stimmig. Horst Fischer gibt den introvertierten David Gilmour, der am linken Bühnenrand die jeweils passende Stratocaster aus seinem Gitarrenarsenal auswählt – oder die Lap Steel Slide-Gitarre für „The Great Gig in The Sky“ oder „Breathe“. Natürlich ist Fischer nicht Gilmour, aber schafft es, eine Illusion Gilmours in den Konzertsaal zu bringen. Hierin steht ihm Sänger und Gitarrist Nick Niedt in nichts nach. Unterstützt wird sein Gesang von zwei überzeugenden Background-Vokalistinnen – vor allem Tanja Mazurek erhält ausführlich Gelegenheit sich auszuzeichnen. Ihre Interpretation von „The Great Gig In The Sky“ ist großartig. Bassist Mandi Blühweis und Schlagzeuger Andy Grabner treiben an, sie bringen den Druck in den Sound, ohne sich dabei in den Vordergrund zu spielen. Auf dieser Basis können sich Fischer und Co-Gitarrist Georg „Gic“ Gruber ausleben, was sie auch weidlich nutzen. Und weil für den ausgefeilten Floyd-Sound ein Saxofon nicht reicht, bringt Ewald Wohlmuth gleich ein zweites mit auf die Bühne. Georg Dachs an den Keyboards verkörpert genau das, wofür sein Vorbild Wright von dessen Bandkollegen geschätzt wurde: Ruhig und bescheiden spielt er seine Parts, ein Fels in der Brandung. Ein Fels, auf den sich The Floyd Council verlassen können. Was wäre „Another Brick In The Wall“ ohne den Gesang der Kinder der Islington Green School geworden? Sicherlich auch ein bemerkenswerter Song. Aber durch die Schüler wurde er zu einer authentischen Anklage, eine Hymne gegen das Schulsystem, gegen Sarkasmus, gegen Gehirnwäsche. Das funktionierte 1979 mit Hilfe der Kinder – und das funktioniert auch heute noch: The Floyd Council haben sich dafür den Chor der Montessori-Schule Unterneukirchen auf die Bühne geholt – und die 30 jungen Sänger schafften es, dass nicht nur ihren Eltern Schauer über den Rücken liefen. Nicht erst nach dem mehr als zweieinhalbstündigen Konzert, bei dem neben den Klassikern von „Dark Side Of The Moon“, „Wish You Were Here“ und „The Wall“ auch selten gehörte Stücke wie „Pigs On The Wing“ gespielt wurden, war klar: Das Original ist schwierig zu erreichen. Aber The Floyd Council haben eine weite Wegstrecke zu diesem Ziel schon hinter sich gebracht. (Text: Andreas Falkinger / Foto: Eduard Sommer).


Imagemusic - night | The Floyd Council
Bürgerzentrum | Burgkirchen/Alz
30. Mai 09 | Einlass: 19 Uhr | Beginn: 20 Uhr
VVK (Stehplatz): € 22 | AK (Stehplatz): € 24 | VVK (Sitzplatz): € 24 | AK (Sitzplatz): € 26

 
Die Dire Straits eines Paralleluniversums | recent gig

Bild: Brothers In Arms

Die Illusion ist nahezu perfekt. Optisch auf alle Fälle. Der Mann mit dem spärlichen Haupthaar hält seine eisblaue Schecter Custom Stratocaster wie ein Klempner seinen Hammer. So jedenfalls hat Mark Knopfler in einem Interview sein eigenes Erscheinungsbild geschildert. Der Gitarrist der Music-Night am vergangenen Samstag im "Bräu" in Wald hat Knopflers Körpersprache schon mal vollständig verinnerlicht. Er ist ganz bei sich, bis ins Äußerste konzentriert, ein scheuer, freundlicher Blick in die Runde macht klar: Er hat zumindest registriert, dass Publikum anwesend ist. Tatsächlich ist die Hütte voll. Brothers In Arms nennt sich die vierköpfige Kombo, die auf der Bühne steht. So heißt auch die erfolgreichste Scheibe der Dire Straits. Die Namensgleichheit ist kein Zufall. Brothers In Arms sind angetreten, ausschließlich Musik von den Dire Straits zu spielen. Schon bei den ersten Akkorden ist klar: Da passt nicht nur die Optik. Gitarrist Andreas "AL" Leisner sieht nicht nur so ähnlich aus - er spielt auch wie Knopfler. "Down The Waterline", "Sultans Of Swing", "Walk Of Life", "Money For Nothing" haben sich in jedem Gehörgang eingenistet - zumindest bei jedem, der im "Bräu"-Saal steht. Jeder kennt die Originale im Schlaf, in CD-Qualität, Ton für Ton, Akkord für Akkord - billige Kopien wären sofort identifiziert. Doch es ergibt sich keine Gelegenheit, die Band einer Imitation oder gar einer Parodie zu überführen. Brothers In Arms sind offenbar die Dire Straits eines Paralleluniversums. Keyboarder Tom Willow, Bassist Andy "Doc" Kraus, Schlagzeuger Oly Wahner und Leisner bringen die Songs der Dire Straits nicht "bloß" in Studioqualität rüber, klopfen nicht einfach Takt für Takt runter - das sind die Liveversionen, wie sie auch die Dire Straits spielen würden. Wobei die bisweilen zu siebt auf der Bühne standen. In Wald spielen drei weniger - und trotzdem vermisst das Publikum keine Nuance. Das liegt zum einen natürlich am Gitarristen, der Schecter, Les Paul und Godin wie Knopfler bearbeitet, zum anderen liegt's aber vor allen Dingen an Willow, der vier Keyboards um sich aufgebaut hat. Keyboards, die er akribisch mit den Straits-Sounds gefüttert hat und die er traumwandlerisch zum richtigen Zeitpunkt aus der Kiste holt. Und wenn Leisner zum Solo ansetzt, dann hört man raus, von wem Knopfler beeinflusst ist: Bob Dylan, etwas Bruce Springsteen, eine Prise Clapton, eine Spur Albert King, ein wenig J.J. Cale, ein Häppchen Django Reinhardt. "Nächstes Jahr schau ich mir Knopfler auf dem Königsplatz an. Da bin ich mal gespannt, ob der das so beeindruckend hinbekommt wie die vier Jungs hier", bringt's ein aus München angereister Fan auf den Punkt. Das Zusammenspiel von Willow, Kraus, Wahner und Leisner ist so nahtlos, so dicht gewebt wie das ihrer Vorbilder. Dazu kommt, dass Leisner nicht nur so spielt wie Knopfler - er singt auch so. Und auch das erweckt nicht den Eindruck, er imitierte das Original. Der Mann kann gar nicht anders. Zumindest macht's den Anschein, den man gar nicht anzweifeln will. Weil's passt. Und dass es passt, beweist der Blick ins Publikum. Da wiegen sich (unter anderem) zwei Mittzwanziger zum Takt von "Money For Nothing" - und keinen Meter neben den beiden geht ein etwa 60-Jähriger mit eisgrauen Haaren ab wie Nachbars Harro, dem morgens um halb zehn in Deutschland ein Postbote als Pausensnack avisiert wurde. Der Musikfreund kann nicht nur alle Texte auswendig, er singt sie - unhörbar im allgemeinen Spektakel - alle mit und würgt massiv kopfnickenderweise dabei seine Luftgitarre, dass es schon Wunder nimmt, dass der Mann am nächsten Tag nicht schleudertraumatisiert seinen Sonntag erleidet. Und solche Szenen ziehen sich durch den ganzen Saal. Wer's zulässt, wer sich fallen lassen kann, der meint, tatsächlich bei einem Dire-Straits-Gig zu sein. "Calling Elvis", "Tunnel Of Love", "Telegraph Road" - nichts vermisst der Fan in Wald. Die armierten Brüder sind authentisch, weil sie ganz gediegen und unaufgeregt und unaufgesetzt die Handwerkskunst ihrer Vorbilder auf die Bühne bringen. Wenn ein Dire-Straits-Stück die Atmosphäre beim "Bräu" in Wald glaubwürdig und nachvollziehbar abbilden kann, dann ist das "Sultans Of Swing", die höchst dynamische Hommage an eine Band aus auf der Bühne ergrauten Jazzern, die vor allem deshalb miteinander musizieren, weil sie immensen Spaß dran haben. Für diese Einstellung steht der Song, und wenn man den Brothers In Arms zuhört, dann scheint es zumindest so, als stünde auch diese Band für diesen entspannten Ansatz. Wer den Spaß nicht nachvollziehen kann, ist selbst schuld. Das Walder Publikum hat seinen Spaß - und lässt die Band fast nicht mehr von der Bühne. Weil die Illusion perfekt ist (Text: Andreas Falkinger, Foto: Eduard Sommer).


Imagemusic - night | Brothers In Arms
Gasthaus Zum Bräu | Garching-Wald/Alz
07. Nov. 09 | Einlass: 20 Uhr | Beginn: 21 Uhr
VVK: € 17 | Abendkasse: € 19

 
Garching im Bertl-und-i-Fieber | recent gig

Bild: Stefan Wählt (i) und Herbert Bachmaier (Bertl) „Da Bertl und i“ haben das Garchinger Publikum voll im Griff. Am vergangenen Samstag gastierte das bekannte Kabarettisten-Duo im Nikolaussaal und trieb dort die Stimmung auf den Siedepunkt. Allein die Tatsache, dass die Veranstaltung seit fünf Monaten ausverkauft war, zeigt, so Hans Wiesmüller von den Organisatoren, dass in Garching eindeutig das „Bertl und i-Fieber“ ausgebrochen ist. Deshalb seien für nächsten Jahr gleich zwei Auftritte von Stefan Wählt und Herbert Bachmeier „gebongt“. „Den Letz´n beißt da Hund“ betitelt sich das neue Programm der beiden Niederbayern, die erstmals im vergangenen Jahr nach Garching kamen und dort sogleich das Publikum für sich begeistern konnten. Bei ihren verschiedenen Beiträgen beweisen die beiden Kabarettisten nicht nur ihre humoristische Begabung sondern vor allem auch eine exakte Beobachtungsgabe im Alltag. Aktuelle Thematiken, typische Stimmungen und die Darstellung von Charakteren, gepaart mit ihrem sichtlich angeborenen und unverwüstlichen Humor, vereinen sich beim „Bertl und i“ zu einem wahren Feuerwerk der Spitzenunterhaltung. Die einzelnen Programmpunkte wurden am vergangenen Samstag laufend durch lang anhaltende Lachsalven und stürmischen Beifallsbekundungen unterbrochen und vermittelten auf diese Weise den beiden sympathischen Bühnenakteuren die uneingeschränkte Begeisterung der Besucher. Mit der Geschichte vom „Schorsch aus der Nachbarschaft“, der ein wirklich „armer Mensch“ ist, weil er noch keine eigene E-Mail-Adresse besitzt, arbeitete sich Stefan Wählt eingangs durch die „Online-Szene“ bis hin zum Beichten per Internet. Den „Weltuntergang“ diskutierten „da Bertl und i“ auf ihre ureigene Weise. Ebenso humorgeladen stellten sie sich unter dem Motto „Aufbrezl´n und niedersemmin“ den sprachlichen Eigenheiten des bayerischen Dialektes, wobei sie mit zahlreichen Beispielen die Verwendung von Begriffen aus dem Bereich der Nahrungsmittel wie zum Beispiel „Ruam“ (Rübe) als Bezeichnung für den Kopf oder „Gaudinockerl“ für weibliche Oberkörperformen bzw. „Spargeltarzan“ für einen etwas „Untermassigen“ heranzogen. Natürlich wurden auch „Erlebnisse“ beim Einkaufsbummel mit der Frau, beim Weltspartag am Einzahlschalter oder auch „Berufserfahrungen“, die Herbert Bachmeier als „Busfahrer“ schilderte, detailliert ausgeschlachtet. Mit ihren Beiträgen „Si, Guiseppe“ und einem „Reisebericht“ von einem Gardasee-Urlaub gelang es den beiden Niederbayern ihre Zuschauer ebenso zu entfesseln wie bei ihrer Geschichte vom „Sauzahn“ und den Leiden beim Zahn sowie ihrem Auftritt als „zwao Engl“. So richtig zum Toben brachten „da Bertl und i“ ihr Publikum schließlich beim „Boandlkrama“-Lied und dem unnachahmlichen „Facki-Rap“, bei dem manche Zuschauer buchstäblich „Tränen lachten“. Nur mit Widerwillen entließen die Veranstaltungsbesucher Stefan Wählt und Herbert Bachmeier von der Bühne, auf der sie über zwei Stunden lang nicht nur hervorragendes Kabarett geliefert sondern sich auch als versierte Musiker und Sänger bewiesen hatten. Bildtext: Mit jedem Programmpunkt lieferten „da Bertl und i“ (v.li. Herbert Bachmeier und Stefan Wählt) einen Volltreffer. Als ein Spitzenreiter der Vorstellung kam gemessen am Pulikumsecho der „Facki-Rap“ an (Text/Foto: Rosmarie Anwander).


ImageLiteratur und Musik | Da Bertl und i
Nikolaussaal | Garching/Alz
15. Mai 09 | Einlass: 19 Uhr | Beginn: 20 Uhr
VVK: € 16,60 | Abendkasse: € 18

 

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